Bitte Ruhe

Wie wird die Klasse ruhig. Die meisten Lehrer haben ein Klingel, eine Glocke oder einen Gong auf dem Lehrerpult stehen. Das ist richtig, sollte man haben, aber es gibt bessere Methoden. Wichtig vor allem ist, dass man als Lehrer Ruhe nur mit Ruhe erzielt. Ein Lehrer, der „Ruhe“ schreit, wird die Klasse zwar kurzfristig zur Ruhe bekommen, aber gleichzeitig an Glaubwürdigkeit verlieren. Wichtig ist auch, dass wenn man die Klasse bittet, leise zu sein, wirklich erst dann den Unterricht fortsetzt, wenn die Klasse mucksmäuschenstill ist. Viele Lehrer machen den Fehler fortzufahren, wenn die Klassen leidlich ruhig ist – das ist zu früh! Ein guter Trick ist auch mit einem Handzeichen zu arbeiten. Wünsche ich als Lehrer Ruhe, hebe ich die Hand. Alle Kinder, die das Zeichen sehen, werden ruhig und heben auch die Hand. Erst wenn die Klasse ruhig ist und alle Kinder die Hand heben, nimmt der Lehrer seine Hand herunter und beginnt zu sprechen. Das Gute an dieser Methode: Sie funktioniert auch in offenen Unterrichtsphasen,wenn ein Teil der Kinder den Rücken zur Tafel haben und sie funktioniert auch – nach einer Einführungsphase – möchte man alle Kinder einer Schule bei einer Veranstaltung zur Ruhe bringen- ohne ein einziges Wort 🙂

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Über miamausverlag

Ich selbst bin Grundschullehrer, Abteilungsleiter einer großen Hamburger Grundschule und leite den Miamaus Verlag, einen kleinen Verlag, der gute und wunderschön gestaltete Lehrmittel für die Grundschule publiziert -per Download verkauft und daher sofort einsetzbar. In diesem blog möchte ich mich aber vor allem austauschen, meine Erfahrung streuen und mich von neuen Ideen inspirieren lassen.
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4 Antworten zu Bitte Ruhe

  1. lehrerschülerin schreibt:

    Das habe ich mir auch immer vorgenommen. Ich mache gerade mein Praxissemester an einer Oberschule. Ich reagiere schon meistens ruhig auf eine laute Klasse. Bitte immer wieder ruhig um Ruhe. Warte dann auch mit dem Unterricht. Jedoch traue ich mich oft nicht, die ganze Zeit zu warten, bis wirklich ALLE ruhig sind und nach vorne schauen. Ich fühle mich dann irgendwie hilflos, weil es mir so vorkommt, als wenn die Schüler eigentlich lieber die ganze Stunde quatschen und es ihnen dann ja entgegen kommt, wenn ich nichts mehr sage und nur warte. Ich habe dann Angst, dass es dann die ganze Stunde so weiter gehen könnte. Überziehen darf man ja nicht – also habe ich da auch irgendwie keinen Anreiz oder so für die Schüler. Was sage Sie dazu und was raten Sie mir?

  2. miamausverlag schreibt:

    Die oben beschriebene Methode wird wirklich so nur in der Grundschule funktionieren. In der Oberschule würde ich es einmal mit einem „informativen Unterrichtseinstieg“ probieren. Sprich, man schreibt vor Stundenbeginn z.B. vier Themen/ Punkte an die Tafel. Am Anfang der Stunde werden diese Punkte kurz mit den Schülern besprochen. Die ersten drei sind für diese Stunde verpflichtend und müssen geschafft werden – sonst eben als Hausaufgabe. Der vierte Punkte ist ein „netter“ Punkt – wenn die ersten drei Themen in der Stunden erledigt werden, sollte noch hierfür Zeit sein – also z.B. ein Spiel, ein lustiges Youtube-Video, der Witz des Tages etc. Wenn die Schüler wissen, was von Ihnen erwartet wird, fällt es ihnen leichter schneller zur Ruhe zu kommen. Wenn Hausaufgaben zu vermeiden sind, werden auch die Schüler untereinander dafür Sorge tragen, dass schneller Ruhe in die Klassen einkehrt.
    Ich würde dies aber nicht einfach so einführen, sondern den Schülern vorher ihre Gedanken erklären, damit sie auch merken, dass Sie es Ernst meinen und dies nicht nur eine Tageslaune darstellt. Wichtig ist auch, dass falls die ersten drei Punkte erledigt werden, aber dennoch keine Zeit für Punkt 4 ist, dieser der Unterrichtseinstieg der nächsten Stunde sein sollte.
    Macht dies Sinn?

  3. Katja Kersting schreibt:

    Hallo, mit den beschriebenen Methoden versuche ich es auch, aber leider funktioniert das bei mir im Fachunterricht überhaupt nicht, es interessiert quasi nur die Mädchen der zweiten Klasse, dass ich dort stehe und warte. Was tun?

    • miamausverlag schreibt:

      Hallo Katja,

      ich bin mir sicher, dass sie funktionieren, aber es braucht natürlich seine Zeit und Geduld, bis sie greifen. Die Frage, die man sich stellen muss, ist, was passiert, wenn die Kinder nicht „mitspielen“. Das muss man mit den Kindern klären. Letztlich geht es ja immer darum, dass Unterrichtszeit verloren geht. Wie holen wir diese auf? Sollen wir in die Pause reinarbeiten? Soll es extra Hausaufgaben geben? Sollen Punkte von der „Wir sammeln Punkte für unsere Wunschstunde“-Liste abgezogen warden? Wenn den Kindern die Konsequenz bewusst ist, werden sie ganz von selbst darauf achten, dass es schneller leiser wird. Aber wichtig! Angekündigte Konsequenzen auch durchsetzen!

      Ein paar weitere, nettere Tipps hätte ich auch noch. Ich arbeite in letzter Zeit am meisten mit „1,2,3 und … schwupp“. Schwupp sagen alle und bei Schwupp haben alle Kinder ihre ARme vor dem Körper verschränkt (-> sie können nicht mehr weiterschreiben). Bei „schwupp“ ist ruhig, wer dennoch redet, also „nachschwuppt“, wird auf der AMpel eins runtergesetzt. Sehr flott und effektiv, sehr zu empfehlen.

      Bei größeren Gruppen bewährt sich rhythmisches Klatschen. ERst mit den Händen, dann mit den offenen Händen auf die Brust und dann mit den Fingern. Immer mehr Kinder (oder auch Erwachsene) steigen mit ein und da das Klatschen immer leiser wird, werden auch sie leiser.

      Auch gut ist eine „Wir kommen in den Kreis“-Musik. Die Musik startet und die Kind wissen, dass sie jetzt noch ca 30 Sekunden Zeit haben, bis sie leise im Kreis sitzen müssen. Zeit genug, ein Gespräch zu beenden, die Stulle aufzuessen bzw. wegzupacken etc.

      Was auch funktioniert, ist, wenn die Kinder selbst für Ruhe sorgen. Wie? Zum Beispiel am Schluss einer Stunde darf ein Kind die Kinder in die Pause schicken, die ihren Platz aufgeräumt haben und leise am Platz stehen. Das geht auch am Anfang der Stunde. Ein Kind bestimmt, welche Kinder sich schon gut genug benehmen, um in den KReis zu dürfen.

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